Eine kräftige Storchschnabel-Staude lässt sich meist leichter vervielfältigen, als viele denken. Ich zeige, wann Teilung, Stecklinge, Rhizomschnittlinge oder Aussaat sinnvoll sind, wie die einzelnen Schritte gelingen und welche Fehler junge Pflanzen im norddeutschen Garten besonders häufig ausbremsen.
Die passende Methode entscheidet über den Erfolg
- Teilung ist für viele winterharte Sorten die schnellste und sicherste Methode.
- Frühjahr oder früher Herbst eignen sich am besten zum Teilen der Stauden.
- Rhizomschnittlinge funktionieren besonders gut beim Balkan-Storchschnabel.
- Stecklinge sind bei bestimmten Arten und Sorten die bessere Wahl.
- Aussaat lohnt sich vor allem für viele Jungpflanzen und neue Farbvarianten.

Welche Methode beim Storchschnabel wirklich passt
Mit Storchschnabel ist die winterharte Gattung Geranium gemeint, nicht die Balkonpflanze Pelargonie, die im Alltag ebenfalls oft Geranie genannt wird. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn beide Pflanzengruppen werden auf unterschiedliche Weise vermehrt.
Bei einer eingewachsenen Gartenstaude greife ich meistens zur Teilung. Sie liefert rasch kräftige Pflanzen, verjüngt ältere Horste und bewahrt die Eigenschaften der Sorte. Stecklinge und Rhizomschnittlinge sind interessant, wenn sich eine Pflanze nicht gut teilen lässt. Die Aussaat braucht mehr Geduld und kann bei Sorten zu unterschiedlichen Blütenfarben führen.
| Methode | Geeigneter Zeitpunkt | Stärke | Geduld nötig |
|---|---|---|---|
| Teilung | Frühjahr oder September | Schnelle, sortenechte Jungpflanzen | Gering |
| Rhizomschnittlinge | Frühjahr bis Frühsommer | Gut für Ausläufer bildende Arten | Mittel |
| Stecklinge | Frühsommer | Geeignet für bestimmte Arten und Sorten | Mittel |
| Aussaat | Herbst oder Frühjahr | Viele Pflanzen und neue Kombinationen | Hoch |
Mein praktischer Rat lautet deshalb schlicht: Eine große, gesunde Staude wird geteilt. Nur wenn ihre Wuchsform oder Art dagegen spricht, lohnt sich der zusätzliche Aufwand mit anderen Verfahren.
Storchschnabel durch Teilung vermehren
Die Teilung eignet sich für viele horstig wachsende Arten wie den Blut-Storchschnabel, den Pracht-Storchschnabel oder den Cambridge-Storchschnabel. Der beste Zeitpunkt liegt im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb oder im frühen Herbst, wenn die größte Sommerhitze vorbei ist.
So gehen Sie Schritt für Schritt vor
- Gießen Sie die Staude am Vortag gründlich, damit der Wurzelballen nicht völlig trocken ist.
- Stechen Sie den Horst mit einem Spaten rundherum ab und heben Sie ihn vorsichtig aus dem Boden.
- Entfernen Sie lose Erde, bis Sie die Wurzeln und mögliche Triebansätze erkennen.
- Teilen Sie den Ballen mit den Händen oder einem sauberen, scharfen Messer in mehrere Stücke.
- Jedes Teilstück sollte mehrere kräftige Triebe und ausreichend Wurzeln besitzen.
- Pflanzen Sie die Stücke sofort wieder ein und wässern Sie sie gründlich.
Zu kleine Teilstücke wachsen zwar manchmal an, starten aber deutlich langsamer. Ich lasse deshalb lieber zwei oder drei kräftige Augen an einem Abschnitt, statt den Horst in möglichst viele Stücke zu zerlegen. In einem eher kühlen, feuchten Garten in Schleswig-Holstein ist das besonders sinnvoll, weil die Pflanzen im Herbst weniger Zeit für die Wurzelbildung haben.
Nach dem Pflanzen hilft eine dünne Schicht reifer Kompost. Frischer Mist oder stark stickstoffhaltiger Dünger ist dagegen keine gute Idee, denn er treibt vor allem weiches Laub und nicht automatisch ein stabiles Wurzelsystem. Halten Sie die Erde in den ersten zwei bis vier Wochen gleichmäßig feucht, vermeiden Sie aber Staunässe.
Rhizomschnittlinge für ausläuferbildende Arten
Der Balkan-Storchschnabel und einige verwandte Sorten bilden oberirdische oder knapp unter der Erde verlaufende Rhizome. Das sind verdickte Sprossachsen, aus denen neue Wurzeln und Triebe entstehen. Solche Pflanzen müssen nicht zwingend komplett ausgegraben werden.
Im Frühjahr schneide ich ein gesundes Rhizomstück mit mindestens einem sichtbaren Austrieb ab. Es sollte ungefähr 3 bis 5 Zentimeter lang sein und nicht vertrocknet oder weich wirken. Die Schnittstelle kann kurz antrocknen, bevor das Stück waagerecht in lockere Anzuchterde gelegt und nur knapp bedeckt wird.
Stellen Sie die Schale hell, aber nicht in die pralle Mittagssonne. Das Substrat darf leicht feucht bleiben, denn ein nasses Gemisch fördert Fäulnis. Nach einigen Wochen zeigen sich meist neue Wurzeln oder Triebe. Erst wenn die Jungpflanze stabil wächst, kommt sie ins Beet.
Diese Methode ist besonders nützlich, wenn Sie eine größere Fläche mit einem flächig wachsenden Storchschnabel bepflanzen möchten. Sie ist allerdings nicht für jede Art gleich gut geeignet. Bei einem rein horstbildenden Geranium bringt die klassische Teilung meist bessere Ergebnisse.
Wann Stecklinge die bessere Wahl sind
Stecklinge werden vor allem bei Arten genutzt, die sich schlecht teilen lassen oder deren Sorteneigenschaften zuverlässig erhalten bleiben sollen. Geeignet sind nicht blühende, gesunde Triebspitzen mit einer Länge von etwa 5 bis 8 Zentimetern.
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Stecklinge richtig vorbereiten
- Schneiden Sie unterhalb eines Blattknotens mit einem sauberen Messer.
- Entfernen Sie die unteren Blätter und eventuell vorhandene Blüten.
- Stecken Sie den Trieb etwa 2 Zentimeter tief in lockere Anzuchterde.
- Drücken Sie die Erde leicht an und gießen Sie vorsichtig.
- Stellen Sie den Topf hell und windgeschützt auf, aber nicht direkt in die Sonne.
Ein Mini-Gewächshaus oder eine durchsichtige Abdeckung hält die Luftfeuchtigkeit hoch. Lüften Sie täglich kurz, sonst bildet sich schnell Schimmel. Sobald der Steckling neue Blätter schiebt, ist das ein gutes Zeichen für die Bewurzelung. Ziehen Sie trotzdem nicht ständig daran, denn junge Wurzeln reißen leicht ab.
Bewurzelungspulver halte ich im Hobbygarten nicht für zwingend notwendig. Entscheidend sind ein sauberer Schnitt, ein luftiges Substrat und gleichmäßige Feuchtigkeit. Bei empfindlichen Sorten kann die Erfolgsquote trotzdem schwanken, deshalb setze ich immer mehrere Stecklinge gleichzeitig.
Aussaat für viele Pflanzen und neue Überraschungen
Die Aussaat ist die langsamste, aber spannendste Möglichkeit. Sie eignet sich, wenn Sie viele Pflanzen benötigen oder bewusst offen für unterschiedliche Blütenfarben und Wuchsformen sind. Bei samenfesten Arten können die Nachkommen ähnlich aussehen, bei vielen Gartensorten ist das Ergebnis jedoch nicht vollständig vorhersehbar.
Sammeln Sie die Samen, sobald die Samenkapseln trocken werden, aber noch nicht aufspringen. Im Herbst können Sie direkt ins Beet säen. Alternativ gelingt die Anzucht ab dem späten Winter in Schalen mit feuchter, lockerer Aussaaterde. Bedecken Sie die Samen nur dünn, denn manche Geranium-Arten keimen besser, wenn sie noch etwas Licht bekommen.
Die Keimdauer hängt stark von der Art ab. Rechnen Sie grob mit zwei bis sechs Wochen, bei manchen Arten auch länger. Die Sämlinge werden pikiert, sobald sie mehrere echte Blätter besitzen. Im ersten Jahr bauen sie häufig zunächst Wurzeln und Blätter auf, während die Blüte erst später üppig wird.
Bei selbst ausgesäten Pflanzen dürfen Sie also nicht erwarten, dass jede Jungpflanze exakt wie die Mutter aussieht. Gerade darin liegt aber der Reiz. Ich würde die Aussaat vor allem empfehlen, wenn Sie Platz und etwas Geduld mitbringen, nicht wenn im selben Sommer ein vollständig bepflanztes Beet entstehen soll.
Diese Fehler bremsen junge Pflanzen aus
Viele Probleme entstehen nicht durch die Methode selbst, sondern durch einen ungünstigen Zeitpunkt oder zu viel Pflege. Ein frisch geteilter Storchschnabel braucht keine dauernde Nässe und keinen Düngerüberschuss, sondern vor allem Kontakt zur Erde und etwas Ruhe.
- Teilung bei großer Hitze: Die Blätter verlieren mehr Wasser, als die beschädigten Wurzeln aufnehmen können.
- Zu kleine Teilstücke: Sie besitzen zu wenig Wurzelmasse für einen kräftigen Start.
- Staunässe: Besonders Stecklinge faulen schnell in verdichtetem oder ständig nassem Substrat.
- Blühende Triebe als Stecklinge: Die Pflanze steckt dann Energie in die Blüte statt in neue Wurzeln.
- Zu tiefe Pflanzung: Das Herz der Staude sollte nicht dauerhaft unter Erde verschwinden.
- Unsauberes Werkzeug: Quetschungen und verschmutzte Schnitte erhöhen das Risiko für Fäulnis.
Auch der Standort nach der Vermehrung macht einen Unterschied. Die meisten Storchschnäbel mögen Sonne bis Halbschatten und einen durchlässigen, humosen Boden. In schweren Lehmböden mische ich lieber etwas Kompost und groben Sand ein, statt später ständig gegen nasse Wurzeln anzukämpfen.
Eine Mulchschicht aus Laub oder reifem Kompost schützt frisch gesetzte Teilstücke vor Austrocknung. Sie darf aber nicht direkt auf den Triebansätzen liegen. Bei Herbstpflanzungen ist ein leichter Schutz sinnvoll, eine warme Abdeckung aus Plastik dagegen meist überflüssig.
So starten die neuen Pflanzen gut ins Beet
Nach erfolgreicher Bewurzelung oder Teilung sollten die Jungpflanzen nicht sofort mit großen Stauden konkurrieren müssen. Geben Sie ihnen einen Platz mit ausreichend Abstand, damit Luft zirkulieren kann und sich die Wurzeln entwickeln.
Für kompakte Sorten reichen oft 25 bis 35 Zentimeter Abstand. Flächig wachsende Arten dürfen je nach Sorte enger gesetzt werden, während kräftige Geranium-Hybriden eher 40 bis 50 Zentimeter benötigen. Die genaue Größe der ausgewachsenen Pflanze ist wichtiger als ein starrer Pflanzabstand.
In den ersten Wochen kontrolliere ich regelmäßig die Bodenfeuchte und entferne vorsichtig konkurrierendes Unkraut. Sobald die Pflanzen sichtbar weiterwachsen, können sie sich meist selbst behaupten. Eine mäßige Kompostgabe im Frühjahr genügt in der Regel vollkommen.
Wer schnell viele robuste Gartenpflanzen möchte, fährt mit der Teilung am besten. Wer eine besondere Sorte sichern oder einen schwierig teilbaren Storchschnabel vervielfältigen will, greift zu Stecklingen oder Rhizomschnittlingen. Die Aussaat bleibt die schönste Option für alle, die den Garten gern ein wenig überraschen lassen.
Vom kleinen Teilstück zur dauerhaften Gartenstaude
Der wichtigste Schritt ist die Auswahl einer gesunden Mutterpflanze. Teilen oder schneiden Sie nur kräftige Exemplare ohne sichtbare Fäulnis, starken Schädlingsbefall oder schwache, vergeilte Triebe. So beginnt die neue Pflanze mit einem echten Vorteil.
Für die meisten Gärten genügt ein einfacher Plan. Im Frühjahr teilen Sie ältere Horste, im Frühsommer schneiden Sie bei geeigneten Sorten Stecklinge und im Herbst sammeln Sie Samen oder setzen kräftige Teilstücke an ihren endgültigen Platz. Mit dieser Kombination lässt sich der Storchschnabel zuverlässig vermehren, ohne dass aus einem kleinen Gartenprojekt eine komplizierte Anzuchtstation werden muss.