Nach einem Spaziergang am Feldrand landet die Brennnessel nicht nur im Gartenkompost, sondern kann auch in der Tasse überraschend angenehm schmecken. Wer Brennnesseltee selber machen möchte, braucht frische oder getrocknete Blätter, heißes Wasser und ein wenig Sorgfalt beim Sammeln. Ich zeige, welche Pflanzenteile geeignet sind, wie der Aufguss gelingt, wie man einen Vorrat trocknet und wo gesundheitliche Vorsicht angebracht ist.
Mit wenigen Handgriffen gelingt ein aromatischer Brennnesselaufguss
- Frische Blätter mit Handschuhen sammeln und vor dem Aufgießen abspülen.
- Für zwei Tassen etwa 6 bis 8 Esslöffel frische Blätter oder 2 Teelöffel getrocknete Blätter verwenden.
- Mit 90 bis 100 °C heißem Wasser übergießen und 8 bis 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen.
- Zum Trocknen die Blätter luftig, schattig und vollständig trocknen lassen.
- Bei Schwangerschaft, Stillzeit, Nieren- oder Herzerkrankungen zuerst ärztlichen Rat einholen.

Die richtige Brennnessel sammeln
Für den Tee verwende ich am liebsten die jungen Blätter der Großen Brennnessel, botanisch Urtica dioica. Sie schmecken milder und weniger faserig als ältere Blätter. Im Norden Deutschlands findet man sie meist ab März oder April, besonders zart sind die Triebspitzen vor der Blüte.
Gesammelt wird nur dort, wo die Pflanzen sauber wachsen. Straßenränder, Hundewiesen, frisch gedüngte Felder, Kompostplätze und Wegränder mit sichtbarer Verschmutzung lasse ich aus. Für eine Kanne reichen meist zwei kleine Handvoll, sodass die Pflanze weiter wachsen kann.
So bleibt die Ernte sicher
Handschuhe und eine Schere schützen zuverlässig vor den Brennhaaren. Ich schneide die oberen vier bis sechs Blattpaare ab und prüfe jedes Blatt kurz auf Fraßstellen, Staub oder Verfärbungen. Unbekannte Pflanzen gehören nicht in den Tee, auch wenn sie ähnlich aussehen.
Die Brennhaare verlieren ihre Wirkung durch heißes Wasser oder vollständiges Trocknen. Trotzdem sollte man die frischen Blätter nicht mit bloßen Händen in der Tasse verteilen. Kurz unter kaltem Wasser abspülen und grob von den Stielen zupfen genügt.
Frische Blätter richtig aufgießen
Der klassische Aufguss ist unkompliziert und braucht keine besondere Teekanne. Für zwei Tassen mit jeweils etwa 250 Millilitern nehme ich 6 bis 8 Esslöffel frische Blätter, 500 Milliliter Wasser und ein feines Sieb.
- Die Blätter mit Handschuhen abspülen und grob von den dicken Stielen lösen.
- Das Wasser aufkochen und kurz abkühlen lassen, bis es ungefähr 90 bis 100 °C erreicht.
- Die Blätter in eine Kanne geben, mit dem heißen Wasser übergießen und die Kanne abdecken.
- Den Aufguss 8 bis 10 Minuten ziehen lassen.
- Durch ein Sieb gießen und warm trinken.
Eine längere Ziehzeit macht den Tee nicht automatisch besser. Nach etwa zehn Minuten wird der Geschmack eher kräftiger und leicht herber. Ich gebe lieber eine dünne Scheibe Zitrone, etwas Minze oder einen kleinen Löffel Honig dazu, statt die Blätter zu lange im Wasser zu lassen.
| Variante | Menge für 250 ml | Ziehzeit | Geschmack |
|---|---|---|---|
| Frische Blätter | 1 kleine Handvoll | 8 bis 10 Minuten | Grün, mild und leicht spinatähnlich |
| Getrocknete Blätter | 1 bis 2 Teelöffel | 5 bis 8 Minuten | Kräftiger und würziger |
Brennnesselblätter für den Vorrat trocknen
Wer auch im Herbst und Winter Tee trinken möchte, kann die Ernte selbst trocknen. Dazu breite ich die gewaschenen Blätter auf einem sauberen Tuch aus und lasse sie erst oberflächlich abtrocknen. Anschließend liegen sie in einer dünnen Schicht an einem schattigen, trockenen und gut belüfteten Ort.
Direkte Sonne ist ungünstig, weil sie Farbe und Aroma beeinträchtigen kann. Je nach Luftfeuchtigkeit brauchen die Blätter etwa zwei bis fünf Tage. Sie sind fertig, wenn sie rascheln und sich zwischen den Fingern leicht zerreiben lassen.
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So bleibt das Kraut aromatisch
Die trockenen Blätter fülle ich in ein sauberes Schraubglas oder eine dicht schließende Dose. Der Vorrat sollte dunkel und trocken stehen. Riecht das Kraut muffig, fühlt es sich feucht an oder zeigt es Schimmel, gehört es vollständig entsorgt.
Getrocknete Blätter brauchen weniger Volumen als frische. Für eine Tasse genügen meistens ein bis zwei Teelöffel. Ich beschrifte das Glas mit Erntemonat und Jahr, denn nach ungefähr zwölf Monaten lässt das Aroma spürbar nach.
Mit norddeutschen Zutaten den Geschmack abrunden
Pur schmeckt Brennnesseltee grün, mild-würzig und manchmal etwas erdig. Das passt gut zu einfachen Zutaten, die man auch in einer norddeutschen Küche häufig findet. Besonders stimmig ist eine Mischung mit Apfel, Zitronenmelisse oder Pfefferminze.
- Apfel und Zimt machen aus dem Aufguss ein warmes Getränk für kühle Tage. Der Apfel bringt Süße, ohne dass viel Honig nötig ist.
- Zitronenmelisse wirkt geschmacklich leichter und passt gut zu frischen jungen Blättern.
- Minze und Zitrone eignen sich für eine kalte Variante im Sommer.
- Honig sollte erst eingerührt werden, wenn der Tee etwas abgekühlt ist. So bleibt sein feines Aroma besser erhalten.
Ich würde höchstens zwei weitere Kräuter kombinieren. Zu viele Aromen überdecken den nussig-grünen Grundgeschmack, der den Tee eigentlich interessant macht. Für den ersten Versuch ist die Mischung aus Brennnessel, Apfel und Zitronenmelisse meiner Erfahrung nach besonders unkompliziert.
Was der Tee kann und wann Vorsicht nötig ist
Brennnesselblätter werden traditionell als Kräuteraufguss verwendet und können die Flüssigkeitsausscheidung anregen. Das ist kein Beweis für eine besondere „Entgiftungswirkung“. Die Europäische Arzneimittel-Agentur ordnet Brennnesselblätter traditionell bestimmten leichten Beschwerden der Harnwege zu, ersetzt damit aber weder Diagnose noch Behandlung.
Bei Fieber, Blut im Urin, starken Schmerzen, Brennen beim Wasserlassen oder anhaltenden Beschwerden sollte man ärztliche Hilfe suchen. Ein selbst gemachter Tee ist in solchen Fällen keine geeignete Lösung.
Vorsicht gilt auch, wenn wegen einer schweren Herz- oder Nierenerkrankung nur begrenzt getrunken werden darf. In Schwangerschaft und Stillzeit ist die Datenlage für eine regelmäßige Anwendung nicht ausreichend. Wer Medikamente einnimmt, besonders entwässernde oder blutdruckwirksame Präparate, bespricht größere Mengen am besten mit Arzt oder Apotheke.
Für Kinder sollte selbst gesammelter Kräutertee nicht routinemäßig als Heilgetränk eingesetzt werden. Als gelegentlicher Küchenaufguss ist die Situation eine andere, dennoch zählt hier besonders die sichere Pflanzenbestimmung und eine zurückhaltende Dosierung.
Mein Küchenstandard für den ersten Versuch
Für den Einstieg würde ich eine kleine Handvoll junge Blätter auf 250 Milliliter heißes Wasser nehmen und den Tee acht Minuten zugedeckt ziehen lassen. Danach probiere ich ihn erst pur und ergänze nur bei Bedarf Apfel, Zitrone oder etwas Honig.
So bleibt der Aufwand gering, der Geschmack gut kontrollierbar und die selbst gesammelte Pflanze steht im Mittelpunkt. Wer Gefallen daran findet, trocknet beim nächsten Spaziergang einfach eine größere Menge und hat damit einen unkomplizierten Vorrat für die norddeutsche Teeküche.